Die Sprachregelungen demonstrieren die Absicht – Ein Schweizer Hilfskonvoi ins Schlachtfeld Putins


Die offizielle Schweiz führt also „humanitäre Hilfe“ mit 15 LKW ins Schlachtfeld Putins. Wer kann, wer will schon etwas gegen „humanitäre Hilfe“ sagen?

Ist „humanitäre Hilfe“ in jedem Fall grundsätzlich gut? Kommt es vor, das sie missbraucht wird, dass die Hilfe spendende Seite missbraucht wird? Kommt es vor, dass humanitäre Hilfe zum Instrument zur Durchsetzung von Interessen missbraucht wird?

Ja, es kommt vor, immer wieder und in jedem Krieg. Hilfsgüter geraten in falsche Hände und werden für irgendwelche Zwecke eingesetzt, nur nicht für die ursprünglich deklarierte Ziele.

Das zuständige Departement der Schweizer Regierung definiert im aktuellen Bericht zur Sicherheitslage zwar Russlands hybride Kriegsführung und die darin zentrale Rolle von Information – siehe in:

http://www.vbs.admin.ch/internet/vbs/de/home/documentation/news/news_detail.57109.nsb.html

Sicherheit Schweiz 2015

doch nun publiziert das Schweizer Aussenministerium eine offizielle Medienmitteilung betreffend ihres Hilfskonvoi ins Schlachtfeld Putins, das durchsetzt ist mit Sprachregelungen aus der Werkzeugkiste von Putins hybridem Krieg. Man kann nur rätseln, was die Gründe für dieses Vorgehen sind. Eine Medienmitteilung des Schweizer Aussenministeriums ist immer – und zu einem derart heiklen Inhalt ganz besonders – bis in jedes Wort nach definierten Parametern zusammengestellt. Da gibt es keine Zufälle. Hier sind Profis am Werk. Jedes einzelne Wort, jeder Begriff wird bewusst gesetzt, wird vor der Publikation mehrfach sorgfältig überprüft.

Also wie kommt es, dass die Medienmitteilung des Schweizer Aussenministeriums vom 15.05.2015 mit folgenden Sprachregelungen aus dem Zentrum des Russischen hybriden Krieges durchsetzt ist?

Sprachregelungen sind wirksame Instrumente. In der internationalen Politik werden wesentliche Kämpfe allein durch den gezielten Einsatz von Sprachregelungen entschieden, doch wer sie einsetzt, übersieht zu oft, dass sie auch sehr verräterisch sind. Sie demonstrieren geradezu Haltungen, die in die Architektur und das Design von „Information-Elementen“ eingebaut sind. Ein Laie erkennt das nicht. Darum weisen wir hier ausdrücklich darauf hin.

Folgende Sprachregelungen, die das Aussenministerium der Schweiz in ihrer Medienmitteilung vom 15.05.2015 verwendet, sind erwähnenswert:

  1. die Regierung in Kiew
  2. Konfliktgebiet
  3. Gebiete beiderseits der Kontaktlinie
  4. das regierungskontrollierte Gebiet
  5. das nichtregierungskontrollierte Gebiet

Zu 1: Wenn die Schweizer Regierung sich entscheidet, statt von der Regierung der Ukraine, der Regierung in Kiew (Bitte nicht übersehen: Russische Schreibweise) zu schreiben, dann übernimmt sie damit nahezu zu 100% die Russische Propagandasprache, die es immer vermeidet von der Regierung der Ukraine zu sprechen, statt dessen verwenden sie alle möglichen anderen Bezeichnen, meist unter Einschluss des geografischen Hinweises „Kyiv“. Die Schweiz hätte hier ohne Zweifel den Begriff „Ukrainische Regierung“ verwenden können, doch man hat sich offensichtlich bewusst entschieden, die Russische Kriegssprache zu benützen. Warum?

Zu 2 bis 5: Sämtliche diese Begriffe sind ohne Zweifel so gewählt, dass der Text so erscheint, als wäre in der Ukraine kein Krieg. Der Begriff „das nichtregierungskontrollierte Gebiet“ verwandelt das Schlachtfeld Putins, auf dem selbst aufgrund von offiziellen Berichten der OSZE haufenweise Russische Waffentechnik im Einsatz ist, die Russische Armee immer wieder Tote zu beklagen hat, zu einem „Neutrum“, einem „neutralen Raum“ in dem sozusagen das Schicksal am Werk scheint, immer wieder Menschen verschluckt, ihnen die Gliedmaßen wegreisst, inzwischen über 6000 Personen vom lebenden Zustand ins Jenseits befördert hat, bald zwei Millionen Menschen vertrieben hat – das Schicksal, das „im Konfliktgebiet“ offensichtlich am Werk ist und gegen das niemand etwas unternehmen kann – denn es gibt ja keinen Krieg und vor allem: Russland ist nicht involviert.

Aber wenn doch Russland nicht involviert ist, warum verwendet die offizielle Schweiz dann so linientreu eine Propagandasprache, die eins zu eins aus den Werkzeugkästen des Putin-Hybridwarfare stammen könnten?

Der am 15. Mai 2015 kommunizierte „Hilfskonvoi“ aus der Schweiz ins Schlachtfeld Putins, verfolgt angeblich das durch das Schweizer Aussenministerium deklarierte Ziel, Menschen in ihrer Not zu unterstützen. Analysiert man die dazugehörige offizielle Medieninformation wird jedoch klar: Gemessen an den hier zum Einsatz kommenden Sprachregelungen verfolgt die Schweiz mit diesem Konvoi das Ziel, ganz im Sinne von Putins hybridem Krieg:

  • Fakten zu vernebeln
  • den Aggressor als Opfer erscheinen zu lassen
  • die Souveränität der Ukraine in Frage zu stellen und zu untergraben
  • den Zielen von Putins hybridem Krieg zu dienen
  • die Kriminellen Banditen auf dem Schlachtfeld Putins in den Status einer anerkannten Regierungen zu hieven

Wer dafür auch noch eine eindrückliche schriftliche Bestätigung benötigt, „Sputnik“, die Speerspitze in Russlands Hybridem Krieg titelt jubelnd:

Der erste humanitäre Konvoi aus der Schweiz ist am Freitag in der Donezker Volksrepublik eingetroffen, teilte ein Vertreter des Organisationsausschusses mit.

„Das ist die erste Kolonne aus der Schweiz, die in der Donezker Volksrepublik eingetroffen ist. Sie besteht aus 15 Lastkraftwagen“, zitiert die Donezker Nachrichtenagentur den Vertreter des Organisationsausschusses.

Weiterlesen: http://de.sputniknews.com/politik/20150515/302339998.html#ixzz3aQJmWB5P

https://www.eda.admin.ch/eda/de/home/aktuell/informationen-deseda.html/content/eda/de/meta/news/2015/5/15/57284

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