Putin der Superheld!


Noch 382 Tage…

Putin der Superheld!

Er erinnert mich immer mehr an Kim Il Sung. Der frühere nordkoreanische Führer war auch alles in Einem: weisester Staatslenker, immer erfolgreicher Wirtschaftskapitän, oberster Volksvater, gerechtester Richter, siegreicher Kriegsherr, geschicktester Diplomat, treffsicherster Zukunftsdeuter und für Stabilität sorgender Oberhausmeister – ob nun zu Pferde, auf einem Trike oder am Steuerknüppel einer Jagdmaschine. Ja, Kim und Wladimir sind unsere modernen Superhelden – sie konnten und können einfach alles! So jedenfalls wollen es die dortigen Medien die Russen und die Welt glauben machen.
Nur, die Sache hat einen Haken: Wer versucht die Sonne zu bewegen, verbrennt sich schnell die Finger. Man kann zwar mit einer Armee auf die Krim einmarschieren, einen Teil des Donbas in Schutt und Asche legen oder eine Million Menschen absolut grundlos in ein Flüchtlingsdrama schicken, aber eine strategisch völlig falsch ausgerichtete Volkswirtschaft lässt sich nicht per Dekret sanieren. Russlands Ökonomie ist ein modernes Desaster, von Rohstoffexporten abhängig, auf fremde Technologien und ausländische Spezielisten angewiesen und mit nur einem einzigen wirklich funktionierenden und entwickelten Wirtschaftbereich: der Rüstungsindustrie. Russland wird auf lange Sicht auf Gedeih und Verderb auf Kriege angewiesen sein, in aller Welt und im eigenen Land. Die Lobby der russischen Rüstungsscheiche ist längst mit dem Parlament und der politischen Nomenklatura zusammengewachsen. Russische Politiker sind eigentlich nichts anderes mehr, als moderne Warlords mit Schlips und Kragen. Wenn Putin wie kürzlich aufruft, das das Land ausländische Investionen begrüßt, dann meint er damit insbesondere Investitionen in den Rüstungssektor. Putin meint, die Gier der Investoren kennt keine Grenzen. In seiner kleinen geistigen Welt lässt sich einfach alles und jeder kaufen. Dazu braucht es nur Stabilität und eine Perspektive. Wenn es beides in Wirklichkeit nicht gibt, wird es hergewünscht. Wie kürzlich auf dem Media-Forum ONF in St.Petersburg. Putin schloss gestern einen wirtschaftlichen Kollaps Russlands aus. Einfach so. Supermänner können das!
In Wirklichkeit ist Russland fast blank. Von den erhofften 500 Mrd. US Dollar Exporterlösen sind 160 Mrd weniger als geplant im Staatshaushalt gelandet. Fast ein Drittel also. Dazu kommt, dass Russland 130Mrd USD Schulden tilgen musste, plus 60Mrd USD für dieses Jahr. Um nicht sofort alle Geldreserven aufzubrauchen, hat man den Rubel dem freien Fall überlassen, die Refinanzierungsrate von einigen Prozent auf über 10 angehoben, gekaufte Staatsanleihen versilbert und seine Währungsreserven angezapft. Kredite sind in Russland derzeit praktisch unbezahlbar, die Wirtschaft wird langsam stranguliert, die Zeche der falschen Wirtschaftsausrichtung zahlen die Russen, weil ihr Geld im Vergleich zu 2014 die Hälfte des damaligen Wertes verloren hat.
Die Langzeitfolgen sind für dieses Entwicklungsland verheerend. Investoren werden extrem vorsichtig sein, Politiker werden eine Abhängigkeit von diesem unberechenbaren letzten Kolonialreich der Erde in Zukunft ausschließen. Man gewöhnt sich an eine Wirtschaftswelt ohne Russland. Russland wird verbauern und versauern. Aber das ist noch nicht alles. Russland führt Kriege. Nicht nur in der Ukraine oder in Georgien, auch im eigenen Land. Viele Regionen können nur mit viel Mühe ruhig gestellt werden. Es knirscht im Gebälk und irgendwann wird es krachen. Das, was Putin der Ukraine gewünscht hat, wird in seinem eigenen Land passieren: es wird zerfallen.
Erst dann wird es in Europa dauerhaften Frieden geben.

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